Nationalisierung

Fischdampfer JUNGE WELT Durch die Einführung der ersten Fangfabrikschiffe vergrößerte sich zwar die Zahl der Besatzungsmitglieder von durchschnittlich 22 auf 33 bis 65 Mann pro Trawler, allerdings verloren durch den Abbau von Schiffstonnage rund 2000 Hochseefischer ihre Arbeit. Trotz des Abbaus von Schiffseinheiten verdoppelte sich durch die Technisierung der Schiffe seit 1970 weltweit die Fangkapazität der Fischereiflotten. Eine effizientere Fangtechnik hatte die Fangerträge schon seit Beginn der 1960er Jahre massiv gesteigert. Die Bestände vieler Fischarten gingen infolgedessen dramatisch zurück.

Als Reaktion auf die Überfischung widersetzten sich einige Staaten dem bislang allgemein anerkannten System der Freiheit der Meere. 1972 erweiterte Island den Anspruch auf alleinige Fischerei innerhalb einer 50-Meilen-Zone um den Inselstaat. Dies war Ausgangspunkt für heftige nationale Konflikte. Im Zuge der Dritten UN-Seerechtskonferenz, die 1973 ihren Anfang nahm, beschlossen einige Fischereinationen, ihre Fischereischutzzonen von 50 auf 200 Seemeilen auszuweiten. Darunter waren auch Island und Norwegen. Durch diese Einführung verlor die deutsche Hochseefischerei wichtige Fanggebiete. Als 1975/76 schließlich 159 Küstenländer ihre Fischereischutzzonen auf 200 Meilen ausdehnten, wurde das Ende der deutschen Hochseefischerei eingeleitet. Dies hatte zur Konsequenz, dass es in den Zonen zu einem vollständigen Ausschluss fremder Hochseefischereifahrzeuge kam.

Die nun durch die gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union eingeführten Quoten zur Regulierung der Fangmengen führten zu einer deutlichen Verkleinerung der deutschen Hochseefischereiflotte. Durch die Quotierung bestimmter Fischsorten sowie die Ausweitung der nationalen Hoheitszonen in den traditionellen Fanggebieten der deutschen Hochseefischerei ging man dazu über, neue Fanggründe zu erschließen. Die deutschen Trawler konzentrierten sich zunächst auf den Nordwest-Atlantik, später wurden auch Versuche unternommen, vor den südafrikanischen und argentinischen Küsten zu fischen. Auf Grund von politischen Widerständen, geringen Fangmöglichkeiten und den für den deutschen Markt zu exotischen Fischsorten, blieb der wirtschaftliche Erfolg jedoch aus.

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